Von der Bachelorarbeit zum Conference Paper

von Niklas Paul

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Nach der Seminararbeit ist für die meisten Studierenden die Bachelorarbeit die zweite größere Arbeit im Studium der Wirtschaftswissenschaften. Der ein oder andere mag sie als lästiges Übel ansehen, die nun mal zum erfolgreichen Abschluss dazugehört, doch sie eignet sich auch hervorragend um wissenschaftliches Arbeiten auszuprobieren und seine Techniken zu verbessern. Natürlich kann man die Arbeit als „eine von vielen“ betrachten und nach 20 Seiten Literature Review aufhören – wer möchte,kann aber auch weiter am Thema bleiben.

Nach meiner Bachelorarbeit begann ich als studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Rannenberg, um dort nach meinem Abschluss diese weiterzuführen. Letztendlich entstand so unter Mitarbeit einiger Kollegen aus Frankfurt und Bremen ein Konferenzpapier, welches im September 2018 im Rahmen einer Konferenz im Bereich Information Security and Privacy Protection veröffentlicht wurde.

Wenn auch du darüber nachdenkst„mehr“ aus deiner Arbeit zu machen, dann soll dieser Beitrag dich ermutigen, in deine Fähigkeiten zu vertrauen und es zu probieren. Das ist der beste Weg um auszutesten, ob die Wissenschaft etwas für einen ist.

Ist meine Arbeit gut genug?

Das weißt du am besten! Wenn deine Arbeit im oberen Bewertungsbereich liegt, ist das schonmal ein guter Indikator. Wichtig ist, sorgfältig zu arbeiten und auch immer Sicherungen vorheriger Ergebnisse aufzuheben. So kann man im Falle eines Fehlers diesen noch korrigieren oder neue Ideen an Rohdaten ausprobieren. Auch die angesehenen Wissenschaftler „kochen nur mit Wasser“, also habe ein wenig Selbstvertrauen in deine Arbeit. Wenn du mit gutem Bauchgefühl sagen kannst „dafür stehe ich meinem Namen“ und du kein Problem damit hast, dass das Geschriebene evtl. für lange Zeit mit dir in Verbindung gebracht wird, dann ist das ein gutes Zeichen!Ohnehin wirst du nach den Reviews noch einiges an Feedback erhalten und umsetzen müssen, doch dann kannst du dir sicher sein, dass deine Arbeit gut genug ist.

Wo soll ich das veröffentlichen?

Zunächst solltest du mit deinem Betreuer über die Möglichkeit einer Veröffentlichung sprechen, denn er hat nicht nur mehr Erfahrung darin, sondern womöglich auch geistiges Miteigentum an den Ideen in deiner Arbeit. Signalisiere am besten schon während deiner Bachelorarbeit, dass du wirklich interessiert bist und eine Veröffentlichung in Betracht ziehst. In der Masse von Konferenzen fällt es nicht ganz leicht die richtige auszuwählen, da ist es hilfreich jemand Erfahrenen an der Seite zuhaben. Besonders vor Fake-Konferenzen solltest du dich in Acht nehmen, denn diese bereichern sich an den Teilnehmergebühren aber haben an sich kein wirkliches Interesse an Wissenschaft. Vielleicht hat dein Betreuer sogar schon einen Vorschlag, wo sich deine Arbeit platzieren lässt. Auf den Internetseiten der Konferenzen finden sich üblicherweise „Call for Papers“ und wenn deine Arbeit in dieses Themengebiet passt, dann traue dich und sende die Arbeit ein. Beachte auch das Ranking, denn je höher die Konferenz bewertet ist, desto schwieriger ist es dort angenommen zu werden.

Was muss ich abgeben?

Auf der Website der Konferenz stehen die jeweiligen Anforderungen. In meinem Fall mussten maximal 14 Seiten entsprechend der Springer LNCS Formatierungsrichtlinien abgeliefert werden. Eine Bachelorarbeit mit rund 80 Seiten auf 14 kleine Seiten inkl. Quellen zuschrumpfen kann eine kleine Herausforderung sein. Dein Betreuer oder andere erfahrene wissenschaftliche Mitarbeiter kennen aber sicher einige Tricks und können dir helfen. Wer noch nie mit LaTex gearbeitet hat, benötigt ein wenig Übung,aber die Basics sind schnell gelernt. Hier zahlt es sich aus, wenn man schon während der Bachelorarbeit mit einer Literaturverwaltung wie z.B. Citavi gearbeitet hat. Die Quellen können dann ohne Probleme als BibTex exportiert und in das Paper eingebunden werden. Die Abgabe erfolgte über ein elektronisches System (EasyChair), in dem man sich zunächst registrieren musste. Konferenzen finden üblicherweise auf Englisch statt, daher besteht im Gegensatz zur Bachelorarbeit selten die Wahl, ob du in Deutsch oder Englisch schreibst.Bedenke auch, dass der Sprachstil der Zielgruppe angemessen ist und man entsprechend der Community manches Wissen vorrausetzen kann.

Wie lange dauert das?

Die Überführung der vorhandenen Arbeit in LaTex ist relativ schnell erledigt. Die Fortführung und Erweiterung haben in meinem Fall noch einige Monate gedauert. Im Oktober 2017 begann ich mit den ersten Erweiterungen, die erste Version des Papers musste Ende Januar eingereicht werden und die Reviews standen dann im März zur Verfügung. Nach den Reviews musste das Feedback eingearbeitet und eine „Camera-Ready“ Version erstellt werden. Die Konferenz fand dann im September 2018 statt.

Was gibt es noch zu beachten?

Wer einen Beitrag einreicht, der muss diesen auch vorstellen. Beachte, dass je nach Konferenz die Preise für ein Ticket sehr unterschiedlich sein können, Autoren erhalten üblicherweise einen kleinen Rabatt. Hinzu kommen Kosten für Anreise und Hotel, die um vielfaches höher sein können. Es muss übrigens nicht jeder Autor/Co-Autor anwesend sein, es bietet sich also an sich mit Kollegen abzusprechen. Alternativ kann man die Arbeit in einem Journal platzieren, das dauert jedoch um einiges länger.

Was, wenn es nicht klappt?

Mach dich nicht fertig, das liegt nicht zwangsläufig an einer schlechten Arbeit! Ob aus deiner Arbeit ein Paper wird, hat auch immer mit der Aufgabenstellung und dem Thema zu tun. Wenn du ein aktuelles Thema behandelst und die Ergebnisse auch noch super passen, dann kann es ganz einfach sein. Mit einem leicht anderen Ergebnis kann es hingegen ganz anders aussehen. Ich hatte eine sehr gute Betreuung, ein bisschen Glück was Zeitpunkt und Thema anging und viel Mühe in das Paper gesteckt – all das ist aber kein Garant für eine Veröffentlichung!

Worum ging es in deiner Arbeit?

In meiner Arbeit entwickelte ich ein Bewertungs-Framework für Datenschutzerklärungen im Internet of Things (IoT).Als Grundlage für die verwendeten Kriterien diente unter anderem die Datenschutzgrundverordnung. Ziel war es, mit diesem Framework Nutzern ein Hilfsmittel an die Hand zu geben, um informierte Entscheidungen bezüglich den Datenschutzeigenschaften ihrer Geräte zu treffen. Das ist zum Beispiel beim Kauf eins neuen Geräts interessant, wenn der Kunde möglichst wenige Informationen mit Dritten teilen möchte. Anhand des Frameworks kann er die Geräte vergleichen und entscheiden.

Ein Ergebnis der Arbeit war, dass ein Großteil der untersuchten Datenschutzerklärungen den regulatorischen Anforderungen der Datenschutzgrundverordnung und darüber hinaus auch weiteren Kriterien nicht gerecht wurden. Hierbei ist allerdings anzumerken, dass die Datenschutzerklärungen noch vor dem Stichtag zur Umsetzung im Mai 2018 analysiert wurden.

Solltest du an den weiteren Ergebnissen interessiert sein, dann kannst du das Paper unter https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-319-99828-2_12 lesen.

Und was musste noch verändert/erweitert werden?

Um aussagekräftigere Werte zu erhalten mussten noch einmal mehr IoT Geräte gesucht und bewertet werden,sodass am Ende 110 Geräte mit 94 Datenschutzerklärungen ausgewertet wurden. Hinzukam, dass gerade auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft nicht immer alles eindeutig ist. Kollegen aus Bremen konnten hier noch fachlichen Input geben, zum Beispiel wie in manchen juristischen Grenzfällen zu bewerten ist. Für Teile der Future Work, wie zum Beispiel der Automatisierung der Bewertung durch Machine Learning, konnte auch noch Input von Frankfurter Kollegen aufgenommen werden. Außerdem wurden die Parameter noch einmal überarbeitet und klarer definiert. Eine wichtige Ergänzung stellt die Hinzunahme einer weiteren Dimension dar, so wurde in der Bachelorarbeit nicht auf die Transparenz eines Unternehmens gesondert geachtet.Das stellt bei der Frage ob Datenschutzerklärungen eher ein juristischer Schutzschild sind oder doch dem Schutz der Daten dienen eine interessante Auswertung dar.