Wirtschaftstheoretische Grundlagen der Wirtschaftspädagogik

Regeln, Naturgesetze und Theorien

von Rafael Kothe

Hausarbeit zum Seminar (WiSe 2015/16)
Prof. Dr. Cornelia Storz (Chair for the Study of Economic Institutions, Innovation & East Asian Development)

Abstract

Eines der Grundprobleme der, auf Erfahrung basierenden, Erkenntnistheorie ist das auf David Hume zurückzuführende Induktionsproblem (Chalmers, 2007, 42). Hume kritisierte als einer der ersten, dass es sinngemäß keine rationale Begründung dafür gäbe, allgemeine Gesetze und Theorien auf Grundlage von endlich vielen, empirisch beobachtbaren Tatsachen, die aus der Vergangenheit stammen, bestätigen zu können. Bezogen auf die Annahme, dass die Natur einer bestimmten Notwendigkeit in ihrem Wesen folgt, wird demnach infrage gestellt, ob Beobachtungen, die in einem bestimmten Zusammenhang zwar regelmäßig beobachtet worden sind und demnach vermeintlich einer Gesetzmäßigkeit folgen, auch tatsächlich in jeder Zukunft wieder so eintreffen oder überhaupt derselben Gesetzmäßigkeit folgen müssen (Poser, 2001, 110-112). Nach Humes Auffassung weisen Naturgesetze weder eine zwingende Notwendigkeit auf, noch machen sie Vorhersagen über die Zukunft möglich, sondern stellen nur eine Zusammenfassung bisheriger beobachteter Regelmäßigkeiten dar (Poser, 2001, 64-65). Im weiteren Sinne stellen Hume und das Induktionsproblem damit auch die Legitimation aller Naturgesetze, die aus empirischen Forschungsmethoden entstammen, infrage.

In diesem Kontext muss allerdings die Frage (Prim & Tilmann, 2000, 76) gestellt werden: Können demnach nomologische Aussagen, wie Naturgesetze, überhaupt als endgültig wahr angesehen werden? Die Debatte über Verifikation und Falsifikation, die spätestens nach den Ausführungen Karl Poppers einen weiteren Höhepunkt erreichte, hier weiterzuführen, ist weniger zielführend. Vielmehr wird im Folgenden die Intention der Fragestellung aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Vertreter des logischen Empirismus versuchten anhand eines sogenannten Sinnkriteriums eine Abgrenzung zu finden, die gehaltvolle Aussagen von sinnlosen und wissenschaftlich uninteressanten Aussagen zu trennen versuchte. Um nicht als „Metaphysik“ zu gelten, muss demnach der Wahrheitsgehalt einer Aussage empirisch überprüfbar sein. Die Verifikation bildet demnach das Abgrenzungskriterium von semantisch sinnvollen Aussagen zu sinnlosen, metaphysischen Sätzen (Wankov, 2009, 3). Bereits an diesem Punkt entwickeln sich Parallelen zum bereits angesprochenen Induktionsproblem. Besondere Sätze und Einzelaussagen über Vorkommnisse in der Natur sind empirisch erfahrbar, bei allgemeingültigen und unbeschränkten All-Aussagen versagt dieser Mechanismus allerdings (Wankov, 2009, 3). Diese, gerade aus wissenschaftstheoretischer Sicht interessanten, Aussagensysteme können demnach nicht hinreichend durch eine endliche Anzahl von Beobachtungen aus der Vergangenheit bewiesen werden.

Interessant im Zusammenhang mit Naturgesetzen und Theorien ist die Bewandtnis einer solchen Fragestellung, wenn gerade nicht mehr die Möglichkeit der Verifikation über Beobachtung besteht, aber dennoch davon auszugehen ist, dass eine Aussage eine wissenschaftliche Bewandtnis besitzen soll. Führt man diesen Gedankengang weiter aus, drängt sich unweigerlich die Frage auf, wie sich aus Sicht der logischen Empiristen Theorien legitimieren, die in erster Linie Gegebenheiten und Sachverhalte abhandeln, die selbst mittelbar nicht beobachtbar und damit der Aussage des Sinnkriteriums folgend, schon gar nicht verifizierbar seien. Dieses Abgrenzungsproblem, das sich bezogen auf die Legitimität von Naturgesetzen in Teilen auch mit dem Induktionsproblem Humes überschneidet, wird aus anderer Perspektive ebenfalls durch den kritischen Rationalismus nach Popper behandelt. Um eine Unterscheidung von empirischen und nicht-empirischen Aussagen (Poser, 2001, 120) zu treffen, setzt dieser an die Stelle der Verifizierung die Falsifizierung und versucht, anstatt durch Induktion eine Bewährungsgrundlage für Naturgesetze und Theorien zu schaffen, diesen aus der Empirie gewonnene, widersprüchliche Aussagen entgegenzustellen, um sie zu widerlegen. In der wissenschaftlichen Praxis kann dies aber ebenso wenig auf jedes Naturgesetz oder jede allumfassende „Es-gibt“ Aussage übertragen werden (Poser, 2001, 120-121).